StrompreisentwicklungVielleicht gehören Sie ja zu den glücklichen 11 Millionen Kunden, für die der Strompreis in diesem Jahr im ersten Quartal um 2,4 Prozent gesunken ist. Immerhin haben nun nämlich etwas mehr als ein Drittel der Stromanbieter die niedrigen Börsenpreise und die gesunkene EEG-Umlage doch tatsächlich an die Kunden weiter gegeben. Klar ist, dass die Senkungen der Tarife deutlich höher ausfallen hätten können, doch leider sind in manchen Regionen die Netzentgelte gestiegen. Vor allem EnBW, Vattenfall und E.ON zeigen deutliche Erhöhungen in ihren Grundversorgungsentgelten.

Auch aktuell, also in den Monaten April und Mai, konnten oder können Sie mit einem leichten Preisrückgang von immerhin einem Prozent rechnen, doch auch hier haben 25 Anbieter eine Preiserhöhung angekündigt, die deutlich höher ausfällt – die Rede ist von 4,6 Prozent, die knapp 3,5 Millionen Haushalte einkalkulieren müssen. Vattenfall plant eine Preiserhöhung in Hamburg um 4 Prozent und in Berlin um 2,5 Prozent. Und das ausgerechnet, wo doch die Strompreise an den internationalen Börsen im April unter die 3 Cent-Marke gefallen sind.

Außer den erwähnten Anbietern und Gebieten kann mit einer stabilen Preislage gerechnet werden. Doch das ist noch lange kein Grund zur Freude, denn die Strompreise sind seit Jahren in Deutschland hoch genug. Wenn Ihr Stromanbieter seine Preise trotz der günstigen Marktsituation noch nicht gesenkt hat und dies auch für die restlichen Quartale in diesem Jahr nicht plant, sollten Sie ernsthaft einen Anbieterwechsel ins Auge fassen. Vor allem wenn Sie noch in der Grundversorgung sind, sollten Sie dies in Betracht ziehen, denn das durchschnittliche Preisgefälle zwischen Grundversorgungstarif und Tarif eines alternativen Stromanbieters liegt bei satten 13 Prozent – und das ganz ohne Bonuszahlungen oder Sonderrabatte. Preisgarantien, die die günstigen Stromtarife so attraktiv machen, finden Sie immer häufiger bei externen Versorgern und weniger oft bei lokalen Anbietern.

Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass die EEG-Umlage in diesem Jahr erstmals seit der Einführung tatsächlich gesunken ist. Und zwar von 6,24 ct auf immerhin 6,17 ct pro Kilowattstunde. Dies ist aber nicht auf die EEG-Reform zurück zu führen, denn Grundlage für die Reduktion war die Tatsache, dass die Umlage für das vergangene Jahr, also 2014, deutlich zu hoch angesetzt war. Immerhin galt es einen Prognosefehler aus den Vorjahren sowie das Minus von sage und schreibe 1,5 Milliarden Euro auf dem EEG-Konto auszugleichen. Inzwischen weist das Konto ein sattes Plus auf, das sich auf knapp 2 Milliarden Euro beläuft. Die Experten des Öko-Institutes sowie der Denkfabrik Agora-Energiewende haben nun eine weitere mögliche Absenkung errechnet, die die EEG-Umlage auf erfreuliche 5,8 Cent bringen könnte. Doch das ist weitgehend Wunschdenken, denn wie das Nachrichtenmagazin Spiegel weiß, setzen die Beamten des SPD-Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel den Preis nach Netzbetreibervorgabe fest. Und damit ergeben sich die bekannten 6,17 Cent pro Kilowattstunde Strom.

Diese Mehrkosten, die Sie und alle anderen privaten Stromkunden zahlen, werden in Form einer Liquiditätsreserve zusammengefasst, um etwaige Kontoschwankungen der Netzbetreiber im Verlauf des Jahres ausgleichen zu können. Geht es nach der Strombranche selbst, ist diese Reserve, die ja milliardenschwer sein wird, aber gar nicht notwendig.